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Text - Artikel in TAZ-Ruhrgebiet
Zu den Vorgängen in Unna hat die TAZ-Ruhrgebiet zwei Artikel gedruckt und online verfügbar.

Beachten Sie die Richtigstellungen und Beschwerde beim Deutschen Presserat !!!



taz.de/pt/2004/09/24/a0006.nf/text
(ins Archiv gegen Gebühr verschoben)

Pädosexueller zieht Netzwerk in Unna auf
Dieter G. hat seine Neigungen schon in Hamburg und Trier ausgelebt. Jetzt sorgt der mehrfach Vorbestrafte in Unna für Aufsehen: Er will Sex mit Kindern legalisieren lassen. Besorgte Eltern wollen morgen dagegen demonstrieren
UNNA taz Die Eltern in Unnas Gartenvorstadt haben Angst. Seit am Dienstag bekannt wurde, dass sich ein Pädosexueller unter ihren Nachbarn befindet, stehen die Telefone bei Polizei und Kinderschutzbund nicht mehr still. "Wir müssen aufpassen, dass keine Hysterie geschürt wird", sagt Frank Zimmer vom Kinderschutzbund. Die Menschen seien sehr aufgeregt und besorgt.

Der pädosexuelle Dieter G. ist kein Unbekannter in der Szene. In Hamburg und Trier hat G. versucht, seine Pädosexuellen-Vereinigung "Krumme 13" als Verein anzumelden. In beiden Städten wurde der Antrag abgelehnt. Die Richter erklärten damals, der Internet-Auftritt der Vereinigung verharmlose Straftatbestände. Und was zunächst schlicht als Verharmlosung gehandelt wurde, endete für Dieter G. schließlich mehrmals im Knast. In Luxemburg saß er, weil er Kinderpornos vertrieben hatte. Ob sie aus eigener Herstellung kamen, konnte man ihm damals nicht nachweisen. Im vergangenen Jahr wanderte G. dann abermals hinter Gitter. Diesmal wegen der Verbreitung kinderpornographischer Schriften. Die Strafe betrug allerdings nur ein Jahr, weil G. seine perverse Kundschaft verpfiff.

Nun versucht er sein Netzwerk offenbar im Ruhrgebiet aufzuziehen. Sein Stützpunkt: eine 38 Quadratmeter kleine Sozialwohnung in der Gartenvorstadt. Von dort aus zieht er die nötigen Drähte. Öffentlich fordert er, Sex mit Kindern zu liberalisieren, es also zu genehmigen, sich an Minderjährigen zu vergehen. Dem Staat sind derzeit aber die Hände gebunden. Eine derartige Äußerung ist nicht gesetzeswidrig. "Aktuell liegt strafrechtlich nichts vor gegen Herrn G.", sagt Martin Volkmer, Pressesprecher der Polizei in Unna. Im Januar habe man gegen ihn ermittelt und die Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet. Dort wurde das Verfahren kurze Zeit später schon wieder eingestellt - "wegen mangelnden Tatverdachts". Das Pikante daran: G. war früher ein Kollege der Staatsbeamten. Er arbeitete beim Bundesgrenzschutz.

Ob G. nun aktuell verdächtigt wird, gegen das Gesetz verstoßen zu haben, ist Manfred Weischer egal. "Bis vor zwei Tagen sei das Mietverhältnis mit Herrn G. ganz normal gewesen", sagt der Geschäftsführer der Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft, die G.s Appartment verwaltet. Gestern hat Weischer die fristlose Kündigung G.s eingeleitet. "Unsere Mieter sollen sich wohl fühlen", sagt der Verwalter. Das sei nun nicht mehr gegeben. Ob das Bekenntnis zur Pädophilie allerdings einen Kündigungsgrund darstellt, weiß Weischer nicht. Er fände es aber logisch: "Wenn Prostitution in einer Wohnung ein Kündigungsgrund ist, dann das doch allemal!"

Sollte Dieter G. Unna verlassen, wäre dies aber nicht die Lösung des Problems. Das weiß auch die Anmelderin der Demonstration, die morgen um 11 Uhr in der Ahornstraße starten soll. "Wenn er hier verschwindet, geht er woanders hin", sagt sie. Und fügt vorsichtig an: "Ich habe Angst um meine Kinder." Deshalb hofft sie auf mehr Öffentlichkeit, und darauf, dass "sich die Politik da mehr kümmert". Doch die gibt sich derweil sehr schmallippig. "Das ist ein vielschichtiges Thema", weiß Unnas Stadtsprecher Uwe Hasche. Viel mehr könne er dazu aber nicht sagen. Nur das noch: "Wir beobachten das mit großer Besorgnis." Das hilft der Demo-Anmelderin wenig. Aber sie kann die Behörden verstehen: "Die argumentieren ja nicht persönlich, sondern innerhalb ihrer Arbeit", sagt sie. "BORIS R. ROSENKRANZ

taz Ruhr Nr. 7470 vom 24.9.2004, Seite 1, 115 Zeilen (TAZ-Bericht), BORIS R. ROSENKRANZ

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taz.de/pt/2004/09/27/a0048.nf/text
(ins Archiv gegen Gebühr verschoben)
Demo gegen Dieter

80 Menschen demonstrierten in Unna gegen den Pädosexuellen Dieter G. Bürgermeister kritisiert Medien

Rund 80 Menschen nahmen am Samstag in Unna an einer Demonstration gegen den Pädosexuellen Dieter G. teil. Neben besorgten Eltern befanden sich unter den Demonstranten auch Vertreter aus Politik, Kirche und vom Kinderschutzbund. Die Versammlung fand vor dem Haus statt, in dem G. seit einigen Monaten wohnt. Polizeisprecher Michael Bechatzek musste keine Zwischenfälle verzeichnen. Die Demonstration verlief ruhig.

"Ich bin glücklich, dass so viele gekommen sind", sagte die Anmelderin der Demonstration, Yvonne Reibis. Erneut forderte Reibis die Politiker dazu auf, "aktiv zu werden". Äußerungen, wie sie G. getätigt habe, gehörten nicht in eine Demokratie. Unnas Bürgermeister Volker Weidner (CDU) ist der Rummel um G. allerdings eher unangenehm. Der Presse warf er vor, Dieter G. zu unterstützen: "Die Medien geben hier einem Pädophilen Raum, sich zu outen", sagte Weidner zur taz. Daran liege es auch, dass die Menschen so "emotionalisiert" seien. Die "Ordnungshüter", so Weidner weiter, seien längst über G.s Vergangenheit informiert gewesen. Ferner ist sich der Bürgermeister sicher, dass es sich bei G. nicht um "den einzigen Pädophilen in der Stadt" handelt.

Frank Zimmer vom Unnaer Kinderschutzbund ist hingegen froh, dass über Pädosexualität gesprochen wird: "Ich finde es wichtig, dass die Medien es gebracht haben", sagte Zimmer. Es sei gut, das Thema wieder aufzugreifen. G. sei nicht der einzige mit solchen Neigungen. In naher Zukunft sollen unter Zimmers Leitung Stadtteilgespräche zum Thema stattfinden.

Dieter G. war am Dienstag vergangener Woche in die Schlagzeilen geraten, nachdem er sich offen zur Pädosexualität bekannt hatte. Der mehrfach Vorbestrafte hatte bereits in Trier und Hamburg vergeblich versucht, seine Pädosexuellen-Vereinigung "Krumme 13" als Verein anzumelden. Nun hat die Vereinigung ihren Sitz in einem Sozialbau in Unnas Gartenvorstadt. Dort ist G. jedoch Ende vergangener Woche fristlos gekündigt worden. Rechtlich ist der Pädosexuelle derzeit nicht zu belangen. Vor wenigen Monaten erst stellte die Staatsanwaltschaft Dortmund ein Verfahren gegen G. wegen mangelnden Tatverdachts ein. In Koblenz läuft noch ein Verfahren gegen ihn.

CLAUS V. WOHDEN

taz Ruhr Nr. 7472 vom 27.9.2004, Seite 4, 77 Zeilen (TAZ-Bericht), CLAUS V. WOHDEN
geschrieben am 29.10.2004
gelesen 3189
Autor K13 - Online
Seiten: 1
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